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Freitag, 20. Januar 2017

„Es ist wirklich spannend!“

Pastor Martin Sundermann im Archiv der Kirchengemeinde Langholt mit einem Kirchenbuch aus dem 19. Jahrhundert. Seit 15 Jahren ist er Hüter über die mitunter mehrere hundert Jahre alten Dokumente der Gemeinden des Kirchenkreises Rhauderfehn.

Pastor Sundermann über seine Arbeit als Archivpfleger im Kirchenkreis Rhauderfehn

Jahrhundertealte Aufzeichnungen, theologische Bücher aus der Frühen Neuzeit und Zeugnisse, die gewaltige gesellschaftliche Umbrüche in Ostfriesland dokumentieren: In den Pfarrarchiven der Gemeinden des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Rhauderfehn lagern unzählige Dokumente, welche die oft bewegte Geschichte der Kirchengemeinden in Ostfriesland widerspiegeln.

Für Sie verantwortlich ist Martin Sundermann, Pastor der Kirchengemeinde Langholt und Beauftragter für die Archivpflege im Kirchenkreis Rhauderfehn. Im Interview berichtet er von seiner Arbeit und interessanten Skurrilitäten.

 

Herr Sundermann, seit nunmehr 15 Jahren sind sie Beauftragter für die Archivpflege im Kirchenkreis Rhauderfehn. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Ich fand die Archivpflege einfach interessant und als ich in den Kirchenkreis gekommen bin, wollte ich das gerne übernehmen. In meiner alten Gemeinde in Stade habe ich die Archivpflege auch schon gemacht. Die Aufgabe ist grundsätzlich spannend: Ich komme in alle Kirchengemeinden und das wird gerade dann interessant, wenn es alte Gemeinden sind. Dann liegen dort oft erhebliche Dinge.

Zum Beispiel?

In der Kirchengemeinde Potshausen etwa befindet sich ein Kirchenbuch aus dem Jahr 1650, im Grunde ein dünnes Heft mit 30 bis 40 Seiten. Und diese Heft ist in winzig kleiner Handschrift von oben bis unten, auf dem Kopf und an den Seiten, vollgeschrieben. Das zeigt uns, wie wertvoll Papier damals gewesen sein muss. Außerdem lagern in einigen Archiven natürlich viele, sehr alte theologische Schriften. Eine Gemeinde des Kirchenkreises besitzt beispielsweise eine Lutherbibel aus dem Jahr 1546. Das ist schon etwas wirklich Außergewöhnliches.

Kirchenbücher gelten immer auch als Zeugnisse, die gesellschaftliche Umbrüche dokumentieren. Finden sich dafür auch Beispiele im Kirchenkreis?

Sicher. Ein Beispiel: Aus einem Kirchenbuch in Ostrhauderfehn lässt sich ein sprunghafter Anstieg der Beerdigungen herauslesen, von 1918 bis 1920. Neben vielen Namen der Verstorbenen steht dann ein Vermerk zur Todesursache: Die Grippe. Das sind die Auswirkungen der spanischen Grippe, einer Grippepandemie mit vielen Millionen Toten. Und diese Folgen der Katastrophen der Zeit spiegeln sich auch in den Kirchenbüchern wider.

Was auch merkwürdig ist: Als Ostfriesland vor rund 200 Jahren offiziell zu Frankreich gehörte und unter Napoleons Einfluss stand, wurden die Trauungen von den Bürgermeistern der Ortschaften vollzogen, nicht mehr von den Pastoren. Damals wurden die ersten Standesämter gegründet. Die Amtssprache war damals Französisch und so finden sich in den Büchern der Kirchengemeinden, die älter als 200 Jahre sind, viele französische Einträge.

Was genau gehört zu Ihrem Aufgabenspektrum als Archivpfleger?

Dazu gehört nicht nur das Historische, sondern natürlich auch das Aktuelle. Beispielsweise gehört zu jeder Visitation (regelmäßige Inspektion des Superintendenten in den Kirchengemeinden; Anm.) ein Bericht des Archivpflegers. Bei der Fülle an Unterlagen ist Ordnung natürlich wichtig. Oder wenn ein Wechsel in den Pfarrämtern ansteht, also neue Pastoren kommen oder gehen, werden das Archiv und die Registratur inspiziert und übergeben. Dazu gehören dann auch ganz profane Dinge wie etwa Quittungen. Zu meinem Auftrag gehört aber auch, dass ich mir die klimatischen Bedingungen in den Archiven anschaue. Es darf natürlich nicht zu warm oder zu feucht sein: Das ist Gift für Papier.

Für wen sind die Archive der Kirchengemeinden von Interesse und wer kann die Unterlagen einsehen?

Ganz klassisch ist, dass für Jubiläen in den Kirchengemeinden recherchiert wird. Also Dokumente über die Entstehung von Kirchen. Aber auch Historiker forschen in den Archiven. Das sind oft Heimat- und Familienforscher. Ab 1870 wurde durch die Politik Bismarcks klar zwischen Kirche und Staat getrennt und so finden sich vor allem Personendaten, die vor 1870 aufgezeichnet wurden, eben nur in den Kirchenarchiven. Es ist schon wirklich spannend, was sich mitunter in den Büchern findet.

 

 

Zur Person: Martin Sundermann ist Pastor der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Langholt sowie stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Rhauderfehn und war vorher Pastor in Potshausen und in Stade. Seit nunmehr 15 Jahren ist er Archivpfleger im Kirchenkreis Rhauderfehn und wurde kürzlich für sein Engagement in Hannover ausgezeichnet.

Machen Sie sich ein Bild und nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Freitag, 20. Januar 2017:
Losungstext:
Besser wenig mit der Furcht des HERRN als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.
Sprüche 15,16
Lehrtext:
Achtet auf die Raben: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben weder Vorratskammer noch Scheune: Gott ernährt sie. Ihr seid doch viel mehr wert als die Vögel!
Lukas 12,24

Superintendentur des Kirchenkreises Rhauderfehn
Pastor-Nellner-Str. 1
26817 Rhauderfehn
Tel.: 0 49 52 / 95 20 20
Fax: 0 49 52 / 95 20 21


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